Alltag

Es ist jetzt schon fast ein Monat seit meinem letzten Eintrag vergangen. Ich musste mich erstmal an den Alltag gewöhnen. Das Unileben hier ist ganz anders im Vergleich zu Deutschland. Zumindest in meinem Austauschprogramm. Es fühlt sich eher wie Schule an: Die Kurse sind relativ klein (max 30 Personen), es gibt Anwesenheitspflicht und Hausaufgaben und es gibt ne Klingel, die zu Anfang und Ende jeder Stunde läutet. Generell sind die Kurse hier solala… Zum einen hält sich das Englisch der Professoren in Grenzen. Das hab ich zwar schon erwartet, aber es ist doch noch um einiges schlechter als gedacht. Zum anderen ist der Inhalt (zumindest in den meisten Naturwissenschaftlichen Kursen) lächerlich. Es wird kaum Inhalt vermittelt. Stattdessen hab ich das Gefühl wollen die Werbung für Japan machen.

Ich erinnere mich da insbesondere an eine “Vorlesung” zum Thema “Fluid Dynamics”. Nachdem kurz zwei Gleichungen gezeigt wurden (wohlgemerkt nicht Erklärt, sondern nur erwähnt, dass sie wichtig und sehr berühmt sind), wurden uns ca eine Stunde lang Bilder gezeigt, auf denen “tolle” Phänomene aus dem Bereich Fluid-Dynamics zu sehen waren. Zum Beispiel wie Flugzeuge durch Wolken fliegen, hinter denen sich eine Kármánsche Wirbelstraße bildet. Das war für mich an der stelle nur in sofern interessant als das Kármán einige Zeit an der RWTH tätig war und ich meine ersten Semester hauptsächlich im nach ihm benannten Kármán-Auditorium verbracht habe. Aber halt… Da fehlt ja noch der Bezug zu Japan also zeigt der Professor uns auch “Die Große Welle” von Kanagawa und behauptet (Fluid-Dynamics) Experten könnten sich Stundenlang darüber unterhalten…

Auch die Japanischkurse sind nicht so der Hammer. Mein Level (JA300) fokussiert sich hauptsächlich auf Kanji. Erklärungen dazu sind aber rar. Im Grunde lesen wir im Unterricht einen Text, in dem neue Kanji vorkommen. Diese müssen wir dann bis zum nächsten Tag lernen, weil wir einen Test schreiben. Der “Test” ist allerdings nur eine Seite aus unserem Lehrbuch kopiert (und wir wissen genau welche vorkommt). Trotzdem sitze ich lange an den Hausaufgaben und dem Lernen der Kanji. Ich glaube ich könnte alleine effizienter Kanji Lernen.

Naja genug Dampf abgelassen. Nicht alle Kurse sind schlecht. Ich habe zum Beispiel einen Mathe-Kurs über Gruppentheorie, der ganz interessant ist. Dort geht es für meinen Geschmack zwar etwas zu langsam vorran aber wenigstens ist der nicht so oberflächlich. Auch mein einziger Master/nicht OUSSEP Kurs zu Spieltheorie ist gut; und der Professor spricht super Englisch :stuck_out_tongue_winking_eye:

Ich werde nicht alle Bilder, die ich Hochlade in den Blogs einbauen. Alle Bilder findet ihr aber in der Gallerie

Hier noch ein paar highlights aus dem letzten Monat:


焼肉 Yakuniku

Ich bin mit drei Freunden (zwei Deutsche und eine Japanerin) Yakiniku (leider nur auf Englisch) essen gegangen. Dabei sitzt man ein einem Tisch in dessen Mitte sich ein Grill befindet. Man bestellt sich rohes Fleisch (und andere Sachen) und grillt es sich selbst. Wir hatten 食べ放題 (Tabehoudai, All-You-Can-Eat), konnten also 1.5 Stunden lang soviel bestellen wie wir wollten. Mit etwas mehr als 2000 Yen war das auch nicht ganz billig aber ich denke das hat sich (für uns) gelohnt :yum:

Beim Yakiniku

FLEISCH!!!


Hostfamily

Ich habe endlich meine Hostfamily besucht. Es gab lecker selbstgemachtes Essen (Pizza, Salat, Hähnchen, Kartoffeln und Sushi). Yoshiko bzw Yoshi, wie er genannt werden will, hat mir Bilder aus deren Zeit in Deutschland gezeigt: Er musste in den 80ern geschäftlich in Düsseldorf. Übernachtet haben sie aber in Kaarst und im Mönchengladbacher Hbf war er auch :laughing:

Nach dem Essen hat Yoshi mir seine Klarinette in die Hand gedrückt. Ich hatte ihnen erzählt, dass ich Klarinette spiele, meine aber nicht mitgenommen habe. Weder er noch sie spielen selbst, und ich weiß nicht genau, warum er eine besitzt :sweat_smile: Ich habe dann ein paar Töne (Stücke) gespielt, was gar nicht so einfach war, da es sich um ein anderes System handelt (Ich habe auf dem deutschen System gelernt. Außerhalb Deutschlands ist aber praktisch nur das Böhm-System verbreitet). Ich habe auch Yoshi überredet gekriegt mir etwas auf der Gitarre vor zu spielen.

Meine Hostfamily


Let’s Talk Japanese und Kimono-Wearing-Event

Jeden Donnerstag kommen (vornehmlich ältere) Japaner und Japanerinnen in unser Dorm um mit uns Japanisch zu sprechen. Die Gruppe, die sich “Let’s Talk Japanese” nennt, organisiert auch einige Events. So zum Beispiel auch ein Kimono-Wearing-Event. Wenn man sich sonst einen 着物 (Kimono) leiht kostet das gerne mal 3000 Yen und mehr. Für uns war das (mehr oder weniger) Kostenlos (Man muss pro Semester 500 Yen zahlen und kann dann an allen Events kostenlos teilnehmen). Natürlich habe ich mir die Gelegenheit nicht nehmen lassen und hab’s ausprobiert. Bis auf die Schuhe war das ganze auch ganz angenehm zu Tragen.

Ich im Kimono

Gruppenfoto im Kimono


台風 Taifun

Am 22. Oktober fegte ein Taifun über Osaka. Der Baum vor meinem Fenster hat ganz schön geschwankt. Ich hätte gerne ein Video oder Foto gemacht aber es war leider zu dunkel. Ich muss zugeben, ich hatte ein bisschen Angst, das der mich in der Nacht besuchen kommt :fearful: Ein Baum im nahegelegenen Park ist tatsächlich umgekippt.

Umgefallener Baum


Expocity

Expocity befindet sich dort, wo früher der Freizeitpark “Expoland” war, der anlässlich der Weltaustellung 1970 errichtet wurde (Daher vermutlich der Name). Neben einer etwas verstörenden Statue und einem Riesenrad (das, was ich von meinem Fenster aus sehen kann) gibt es dort auch ein Einkaufszentrum, Kino, und Co. Natürlich musste ich da auch mal hin.

Statue und Riesenrad

Gundam

Written on October 29, 2017